Raum für Gestaltung

Als einzige Druckwerkstatt im mittelfränkischen Raum stellt die Werkstatt die Druckpressen zur Herstellung  von Druckerzeugnissen mit den wesentlichen  manuellen Drucktechniken in einer räumlichen Einheit bereit und fungiert so seit nunmehr über 30 Jahren als Kreativraum für Künstler und Bildungsstätte. 

So absolvieren Schüler:innen der Fachoberschule Nürnberg und Montessori Schule ihre Pflichtpraktika und Student:innen der Technischen Hochschule gestalten dort ein Semester lang die im Studium erforderlichen Grafikarbeiten.

Die Konservierung des Wissens um die traditionelle, analoge Drucktechnik ist neben dem Erhalt des künstlerischen Gesamtwerkes zentrales Thema im Wirken von Heinz Thurn.
In diesem Kontext erfolgte auch der Relaunch der Druckwerkstatt zu „print art for generations“ durch die  Heinz-Thurn-Stiftung.

Alle Druckverfahren ermöglichen nicht nur die nahezu unbegrenzte Vervielfältigung von Kunstwerken und Dokumenten. Sie bieten auch unerschöpfliche Möglichkeiten an künstlerischen Ausdrucksformen, ästhetischer Visualisierung und Stilbildung.
Die Stiftung ermöglicht den Zugang zu Räumlichkeiten und Schulungen allen Kunst- und Gestaltungs-Interessierten und stellt Gerätschaften und Werkzeuge im Rahmen von Workshops und für das freie Arbeiten zur Verfügung. Sie ermöglicht so 
allen Interessierten die Möglichkeit, Drucktechniken entweder im Rahmen von Schulungen und Workshops zu erlernen oder aber in freier künstlerischer Tätigkeit anzuwenden.

Analoge Drucktechniken im Kreativraum "art for generations"


Hochdruck

Das Hochdruckverfahren ist die älteste aller Drucktechniken. In Europa revolutionierte Johannes Guttenberg im 15. Jahrhundert die Reproduktion von Büchern und Schriftstücken durch seine Entwicklung des Buchdrucks mittels gießen beweglicher Lettern und der Erfindung der Druckpresse. Motive oder Buchstaben bleiben als erhabene Elemente auf der Druckplatte bestehen und werden nach Auftragen von Farbe auf das zu bedruckende Objekt gepresst. In der manuellen Druckkunst gelten Holzschnitt und Linolschnitt als die gängigsten Hochdruckverfahren, mit denen Werke beliebig oft vervielfältigt werden können.
Heinz Thurn hat sich auf ein besonderes Verfahren für die Erstellung von Holzschnitten spezialisiert, das auch ihm Rahmen der Workshops erlernt werden kann:der verlorene Schnitt mit Farbverläufen. Hier erfolgen alle Farbdruck-Ebenen aus einer einzigen Druckplatte. Diese wird nach jeder Druck-Serie verändert, bis die Platte am Ende vollständig abgearbeitet wurde. Die Auflage muss schon beim ersten Druckvorgang feststehen und kann daher nicht erweitert werden. 


Tiefdruck 

Beim Tiefdruckverfahren werden die gewünschten Druckelemente als Vertiefung mittels Gravur, Ätzung oder Laser in die Druckform eingearbeitet. Im künstlerischen Tiefdruck finden vornehmlich die Verfahren Radierung, Kupferstich oder Schabtechnik Anwendung.
Die Vorläufer der klassischen Radierungen und Stiche kamen bereits im 16. Jahrhundert im Rahmen des Waffenschmied-Kunst zur Anwendung. Albrecht Dürer machte diese Verfahren schließlich erstmals auch für Buchillustrationen und künstlerische Reproduktionen populär.

Der Hauptunterschied zwischen Kupferstich und Radierung liegt in der Art und Weise, wie die Bildzeichnung auf die Druckplatte (meist Kupfer) übertragen wird. Beim Kupferstich wird die Zeichnung direkt mit einem Stichel in die Platte geschnitten, während bei der Radierung die Zeichnung mit einer Nadel in eine schützende Schicht (z.B. Wachs) auf der Platte geritzt und dann durch Säure in die Platte geätzt wird. 

 

Bei der im 17. Jahrhundert entwickelten Schabtechnik (Mezzotinto) hingegen wird die meist metallene Druckplatte aufgeraut um dann Stellen, die im Druck hell bleiben sollen, mit dem Schaber auszuschaben bzw. zu polieren. Je glatter die betreffende Stelle ist, um so heller erscheint sie dann im Druck.

Flachdruck

Im Flachdruckverfahren befinden sich zu druckende und nicht druckbare Motive auf einer Ebene. Bei den im künstlerischen Bereich gängigsten Flachdruckverfahren Lithografie und Offsetdruck beruht die Technik auf dem Prinzip der Abstoßung zwischen wasser- und fetthaltigen Substanzen. Die Lithografie (= Steindruck) ist die älteste Flachdrucktechnik und erlaubte es bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch die Erfindung von Alois Senefelder farbige Bilder in hohen Auflagen herzustellen. Auf einen feinporigen und fettfreien Schieferstein wird das Motiv mit fetthaltiger lithographischer Tusche bzw. Kreide spiegelverkehrt aufgezeichnet. Durch das Auftragen von Ätze (Gummi arabicum, Salpetersäure und Wasser) wird die Zeichnung fixiert. Bereiche, die nicht gedruckt werden, bleiben durch den Ätzvorgang wasseraufnahmefähig und damit fettabstoßend, also farbabweisend.

Durchdruck

Mit der Durchdrucktechnik, besser bekannt als Siebdruckverfahren wird Farbe durch ein feinmaschiges Sieb auf zu bedruckendes Material (oftmals Textilien) übertragen. Durch Aussparungen im Sieb oder Schablonen werden die gewünschten Motive erzeugt.